Die ausgewählte Untersuchungsregion Mittelthüringen umfasst die folgenden Landkreise und kreisfreien Städte im Freistaat Thüringen: Erfurt, Gotha, Ilm-Kreis, Sömmerda, Weimar, Weimarer-Land. Städte einer Größe von über 30.000 Einwohnern sind Erfurt, Gotha und Weimar. In der Region lebten zum 31.12.2003 insgesamt 698.924 Einwohner, von denen 495.249 sich im Erwerbsfähigen Alter befinden. Die Region umfasst eine Fläche von 3.740 km2. Die Bevölkerungsdichte Mittelthüringens beträgt 187 Einwohner je km2. Dieser Wert liegt über dem Durchschnitt der anderen Planungsregionen Thüringens wie des gesamten Freistaats (147 E/km2). Rund 35 % der Bevölkerung der Region leben im Verdichtungsraum Erfurt. Die Region Mittelthüringen lässt sich als Raum mittlerer Bevöl-kerungsdichte mit Erfurt als Zentrum beschreiben.
Die Region Mittelthüringen kreuzt in Nord-Süd-Richtung das Thüringer Städteband. Insbesondere die Städte Weimar, Erfurt und Gotha und die in den Gewerbegebieten beider-seits der Autobahn angesiedelten Betriebe bilden das wirtschaftliche Rückgrat dieser Planungsregion. Die zentrale Lage innerhalb Thüringens wie zu den angrenzenden Bundesländern, gerade entlang der Bundesautobahn 4 als zentraler Ost-West-Verbindungsachse, sind ein wesentlicher Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung. Diese räumlich und verkehrstechnisch günstige Lage geht einher mit einem breitgefächerten Angebot an Hochschuleinrichtungen.
Das demografische Potenzial der Region Mittelthüringen wird durch vor allem zwei Entwicklungen beschränkt: Über Jahre währende Wanderungsverluste kombiniert mit vergleichsweise niedrigen Geburtenraten verschärfen eine demografische Entwicklung in Richtung beschleunigter regionaler Alterungsprozesse. Über die Jahre hat sich die unterschiedliche Entwicklungsdynamik der relevanten Einflussgrößen spürbar in der Alters-struktur der Bevölkerung niedergeschlagen, was sich u.a. über das Durchschnittsalter der Bevölkerung quantifizieren lässt.
Die Gesamtbevölkerung der Planungsregion wird im Vergleich zum Basisjahr 1999 insge-samt nur geringfügig bis 2010 um drei Prozent zurückgehen und somit nicht die dramatischen Bevölkerungseinbußen der benachbarten Regionen hinzunehmen haben. Diese belaufen sich mitunter bis nahezu 20 Prozent in Südthüringen im Jahr 2020.
Wirtschaftsstruktur:
Im ostdeutschen Vergleich zeichnet sich Planungsregion durch einen überdurchschnittlichen Anteil der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe aus, wobei in der Region insbesondere eine Spezialisierung auf technologieintensiven Wirtschaftszweige dieser Branche zu verzeichnen ist. In dieser Raumordnungsregion Mittelthüringen sind vor allem technologieintensive Branchen anzutreffen. Die Wirtschaftsstruktur der Region wird durch einen sehr hohen Anteil Klein- und Mittelständischer Unternehmen geprägt. Neben den in traditionellen Branchen tätigen Unternehmen haben sich gerade in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen entwickelt, die sich auf neue Technologien spezialisiert haben.
Die Region Mittelthüringen zeigt sich insbesondere auf die technologieintensiven Wirtschaftszweige Datenverarbeitungstechnik, Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren, Elektronik und Medizin-, Messtechnik, Optik spezialisiert. Auch der Bereich Optik kann darüber hinaus als innovatives Kompetenzfeld Mittelthüringens gewertet werden. Weitere Ansätze bilden zudem die Bautechnologie, die Mikrosystemtechnik und die Informations- und Kommunikationstechnologie einschließlich der Medientechnologie. Aufgrund der Spezialisierung auf die zwei Wirtschaftszweige Datenverarbeitungstechnik und Elektronik kann innerhalb der Region auf erhebliche Synergieeffekte zurückgegriffen werden. Die Innovationskraft der Region lässt sich durch einen Vergleich der Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner aller ostdeutscher Regionen verdeutlichen. In einem solchen Ver-gleich nimmt Mittelthüringen den 6. Rang ein.
Die Wirtschaftsentwicklung der Region gestaltet sich insbesondere im Verarbeitendem Gewerbe positiv. Gegenüber 2003 war nicht nur eine Umsatzsteigerung in diesem Wirtschaftsbereich von 9 Prozent zu verzeichnen, sondern erfreulicherweise auch ein Beschäftigungsaufbau um 5 Prozent. Zwar leiden andere Branchen und hierbei insbesondere das Baugewerbe an Nachfrageschwächen die auch mit einer rückläufigen Umsatzentwicklung und anhaltendem Beschäftigungsabbau einhergehen, jedoch
Beschäftigungsstruktur:
Die Zahl der Erwerbspersonen ging von 1990 (412 Tsd.) auf 381 Tsd. im Jahr 2004 zurück. Nach der offiziellen Prognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung soll sich die Zahl der Erwerbspersonen bis zum Jahr 2020 auf noch 319 Tsd. Personen verringern. Bis ins Jahr 2010 wird sich die Zahl der Erwerbstätigen im Alter über 54 Jahren um 10 Prozent zunehmen und damit auf vergleichbarem Niveau mit den anderen Thü-ringer Planungsregionen liegen.
Was macht die Region für Smart Region so interessant?
Der demographische Wandel impliziert je nach regionaler Betroffenheit, wirtschaftlicher Situation und regionsspezifischer politischer Zielsetzung eine Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten der öffentlichen Daseinsvorsorge. Bevölkerungsrückgang und veränderte Altersstrukturen rufen Tragfähigkeitsprobleme hervor, lassen aber auch neue Nachfragepotenziale erkennen und werfen die Frage auf, welche Infrastruktu-ren Rahmenbedingungen schaffen können, die wieder zu mehr Kinder führen und somit den demographischen Trend verlangsamen.
Das Projekt Smart Region verfolgt eine Strategie, die ein Umsteuern weg von rein kompensatorischen hin zur prophylaktischen Antworten demografischer Fragestellungen zum Ziel hat. Der in den kommenden Jahren sich verstärkt aufbauende Anpassungsdruck verlangt nach Maßnahmen des Gegensteuerns.
Insbesondere die Kombination eines in den kommenden Jahren weiterhin steigenden Durchschnittsalters der Betriebsbelegschaften mit einer schrumpfenden Zahl ins erwerbsfähige Alter hineinwachsenden jüngeren Einwohnern wird ansässige Betriebe zwingen sich intensiver als bisher mit Fragen der Fachkräfterekrutierung auseinander zu setzen.
Verstärkt werden die Probleme noch durch die bestehenden Abwanderungstendenzen, die mehrheitlich von jungen Frauen mit den entsprechenden Folgen für die Geburtenziffern der Region getragen werden.
Die Altersstruktur der regionalen Bevölkerung wird in den Jahren bis 2020 erhebliche Verschiebungen erfahren. Während sich die Zahl der Einwohner unter 50 Jahren (Rückgang der 25 bis unter 45 Jährigen um nahezu ein Viertel und auch die Altersgruppe der 45 bis unter 50 Jährigen schrumpft im Prognosezeitraum um annähernd 30 Prozent) bis zum Jahr 2020 insgesamt verringern wird, steigt die Zahl der über 50 Jährigen stark an. Für die Thematik des demografischen Wandels sind vor allem zwei Altersgruppen von besonderer Bedeutung. Während sich die Zahl der 15 bis unter 25 Jährigen 2020 gegenüber 2003 nahezu halbieren wird, wächst die Altersgruppe der 50 bis unter 60 Jährigen im gleichen Zeitraum um rund 17 Prozent. Somit können Betriebe auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften nicht mehr in gewohntem Maße auf nachrückende Generationen zurückgreifen, sondern sollten sich zunehmend auch darüber bewusst werden, dass der steigende Altersdurchschnitt ihrer Belegschaften entsprechenden Handlungsbedarf in Richtung alternsgerechter Maßnahmen mit sich bringt.
Grundsätzlich lassen sich folgende Handlungsfelder unter der Fragestellung des demografischen Wandels differenzieren:
Zwischen diesen Handlungsfeldern bestehen einander durchdringende vielfältige Querbezüge. So stellt eine unter zukünftigen demografischen Bedingungen tragfähige Infrastruktur eine wichtige Voraussetzung für einen im Wettbewerb gut aufgestellten Wirtschaftsraum dar.
Die Tatsache des demografischen Wandels lässt es künftig stärker als bisher notwendig erscheinen ältere und alternde Personen länger als bisher üblich in den Arbeitsprozess einzubeziehen. Daher gilt es Wege zu finden und methodisch zu untersetzen ältere Beschäftigte länger als bisher im Arbeitsprozess zu halten und ihre dauerhafte Integration vor dem Hintergrund einer aus finanzierungstechnischen Aspekten notwendigen längeren Erwerbsphase zu sichern. Daher sind auf Ebene der betrieblichen Arbeitsbeziehungen und Organisation langfristig wirksame personelle Strategie zu entwickeln und Akzeptanz der Unternehmen gegenüber der Realität des demografischen Wandels herzustellen.
Vor dem Hintergrund der paradoxen Situation einer hohen Arbeitslosigkeit, knappen (offenen) Stellen bei gleichzeitigem ansteigendem Fachkräftebedarf gilt es die Humanressourcen der Region optimal zu nutzen. Dies gilt insbesondere für alternde Belegschaften, deren Erfahrungswissen ein zentraler Bestandteil Betriebliche Wertschöpfungsketten ist, deren Leistungsfähigkeit jedoch durch gezielte Weiterbildungsaktivitäten es auszubauen gilt, um technologische Neuerungen effizient anwenden zu können.
Die sich in den letzten Jahren in bestimmten Branchen Mittelthüringens abzeichnenden Wachstumsimpulse lassen sich nur weiterentwickeln, wenn auf genügend gut ausgebildete Fachkräfte zurückgegriffen werden kann. Im Hinblick auf die sich abzeichnenden demografischen Veränderungen in der Region speist sich das besondere Interesse an den Wandlungsprozessen dieser Region eben durch das aufeinandertreffen wirtschaftlicher Dynamik und zu berücksichtigenden Alterungstendenzen des Erwerbspersonenpotenzials. Gerade die Wechselwirkungen zwischen Fachkräftebedarf, wiedererstarkenden Abwanderungstendenzen und Alterungsprozessen bei gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit lassen sich in Mittelthüringen komprimiert beobachten. Aufgrund der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den strukturellen Problemen des regionalen Arbeitsmarktes sollen Akteure mit den demografisch induzierten Problemverschärfungen vertraut gemacht werden.